Geschichte
des Turn- und Spielvereins "Jahn"
Dellwig 1922
(aus
der Festschrift zum 75-jährigen Vereinsbestehen, Teil 2)
Nach
dem Krieg
Im
Werdegang des Aufstiegs der Handballer des TuS "Jahn" Dellwig sind nun
einige erstaunliche Stationen zu erwähnen. Zum einen waren mehr oder weniger
kurzfristig Trainer am Werk, die im Handball der heutigen Tage (Anmerkung:
geschrieben im Jahre 1997) noch einen großen Namen besitzen. So leitete
zeitweise der bekannte Nationalspieler Bernhard Kuchenbecker, später Trainer
des Bundesligisten SG Leutershausen, das Training der Dellwiger
Handballer, und auch sein Nachfolger Rolf Lankers war in Handballkreisen kein
Unbekannter.
Die
Turner beschränkten sich aber bis auf kurzfristige Ausnahmeperioden auf
die Breitenarbeit, wobei besonders die Arbeit der jugendlichen Gruppen und der
Altersturner beiderlei Geschlechts Erwähnung verdient. In der sportlichen
Grundausbildung der Jugend Dellwigs und der benachbarten Dörfer wurde
jedenfalls viel Arbeit geleistet.
Nun aber zurück zu
den Handballern, die als einzige Abteilung im ständigen Meisterschaftseinsatz
um Tore und Punkte waren. Von 1946 bis 1952 hatte der Verein einen guten Namen
im Handballverband Westfalen und zählte zu den Spitzenmannschaften, wobei der
Name "Stracke" mit seinen verschiedensten Vertretern, ob sie nun Karl,
Hans, Erwin usw. hießen, bis heute für die Dellwiger eine Art Statussymbol
wurde. 1946/47 und 1951/52 spielte man sogar in der Gauliga, Westfalens
höchster Spielklasse, in die man durch Meisterschaften der Bezirksliga
aufgestiegen war.
Die Mannschaft, die
in der Saison 1947/48 in der Gauliga spielte, mit folgenden Spielern:
Herbert Saager, Hans Stracke, Walter Schwarze, Karl, Stracke, Bruno König,
Heinz Flachmann (genannt Henning), Günther Grebe, Erwin Stracke, Helmut
Worstbrock, Heinz Pieper, Bodo Struszczynski, Georg Walkuschewski. Der Trainer
war Rolf Landers.
Das
30jährige Jubiläum feierte der Verein am 24./25. Mai 1952 in der Dellwiger
Sporthalle. Hier sei einmal der Vorstand dieses Jubiläumsjahres namentlich
aufgeführt, der ein großes Programm mit leichtathletischen
Jugendmeisterschaften, einer umfangreichen Jubiläumsveranstaltung und
interessanten Handballfreundschaftsspielen, organisierte.
1.
Vorsitzender:
Ernst Rinke
2. Vorsitzender:
Fritz Rubarth
Geschäftsführer:
August Stracke
Kassierer:
Wilhelm Reichenbach
Leiter der Männerabteilung:
Robert Mester
Leiter der Jugendbteilung:
Gustav Becker
Leiter der Schülerabteilung:
Hans Reininghaus
Leiter der Frauenabteilung:
Irmgard Wimpelberg
Leiter der Schülerinnenabteilung: Luise Selle
Handballobmann:
Richard Strunck
Geschäftsführer der Handballer: Rudolf Stracke
Leiter der Tischtennisabteilung: Hans Reininghaus
Im
Jahre 1956/57 errang die A-Jugend im Feld- und Hallenhandball die
Kreismeisterschaft. Die Kreismeister: Betreuer O. Schievelbein, G. Zielke,
Teigmann, Geldmacher, Ferdi Schmitz, Mühlnickel, Goike, Strusinzki,
Küppermann, Schmitt, Stracke, Kobusch.
Später
gelangte der TuS "Jahn" Dellwig endgültig in den Bereich des Bezirks
Industrie. Hier übernahmen die Blauweißen eine schwere Aufgabe, da sie von nun
an ständige Auseinandersetzungen mit den leistungsfähigeren Vereinen des
Großraumes Dortmund zu bestehen hatten. Diese Veränderung erwies sich dann
auch als verhängnisvoll. Zu den schwereren sportlichen Aufgaben kamen nun auch
noch Umstände, die es für einen dörflichen Verein am Rande des Ruhrgebietes
kaum möglich machten, "oben" mitzumischen. Da war zunächst die
Bundeswehr, die ab 1956 von Jahr zu Jahr einen Aderlass beim handballerischen
Nachwuchs forderte, der immer schwerer zu verkraften war. Weiter zum Nachteil
gereichte der Umstand, dass die steigenden Ablenkungsmöglichkeiten oft
talentierte Jugendliche im entscheidenden Alter ausscheiden ließen. So stiegen
die Dellwiger in der Saison 1959/60 erstmalig in die Kreisklasse ab. Sie stiegen
zwar im folgenden Jahr wieder in die Bezirksliga auf, doch ging schon nach einer
Saison der Fahrstuhl wieder nach unten. Auch der Einsatz eines Dortmunder
Nationalspielers, Herbert Schmidt vom TuS Wellinghofen, als Trainingsleiter
vermochte die Blauweißen nicht wieder permanent in höhere Klassen zu führen.
Erst der Einbau von einer Reihe talentierter Jugendlicher 1965/66 erbrachte
erstmals wieder Meisterschaft und Aufstieg in die Bezirksklasse.
Vom
Feld- zum Hallenhandball
Aber nun gilt es,
über den Hallenhandball zu berichten, der seit 1960 immer stärker und stärker
das Gebíet des Handballs durchdrang. Hier war man beim TuS "Jahn" Dellwig
seinerzeit "Stiefkind". Vor allen Dingen die unzureichenden
Trainingsmöglichkeiten, zuerst in der Sporthalle Dellwig, später in der zu
kleinen Turnhalle Langschede, hemmten immer wieder einen organischen Aufbau.
Erstaunlich trotz allem, dass sich die Dellwiger zumindest immer wieder in der
Spitze des starken Handballkreises Unna-Kamen-Werne (UKW, gegründet 1952)
hielten. Jahr für Jahr mischte man mit im Kampf um die Spitze, und 1964/65
(nach einem dramatischen Sieg im Entscheidungsspiel gegen den Turnverein Unna)
und 1967/68 errang der TuS "Jahn" Dellwig sogar die Kreismeisterschaft
im Hallenhandball. Zum Aufstieg langte es allerdings nicht, weil die Konkurrenz
einfach bessere Bedingungen aufwies.
Erst 1971/72 gelang
es, Trainingsmöglichkeiten in der Bundeswehrhalle Unna (Anmerkung: ehemalige
Hellwegkaserne an der Iserlohner Straße) zu schaffen. In dieser letzten Saison
wurde unter dem neuen Trainer Peter Steinig (Unna) endlich konstruktiv
gearbeitet, obwohl das gesteckte Ziel des Aufstiegs abermals nicht erreicht
wurde. Ja, nun hofften die Dellwiger abermals auf einen Aufschwung durch die
nachrückende Jugend, die für neuen Wind sorgen sollte.
Über die
Handballjugend muss nämlich noch eine ganze Menge gesagt werden, weil sie es
war, die den Namen des Vereins im ganzen westdeutschen Raum bekannt machte. Es
würde inzwischen Bände füllen, alle Turniersiege und Meisterschaften einzeln
aufzuführen, die Jahr für Jahr an die Ruhr geholt wurden. Es sei die
großartige Leistung der A-Jugend im Spieljahr 1964/65 erwähnt, die am
21.2.1965 in Burgsteinfurt Westfälischer Vizemeister im Hallenhandball wurde
und in der Zwischenrunde Grün-Weiß Dankersen mit 6:2 das Nachsehen gab. Im
Endspiel unterlag man dann dem Soester TV mit 4:6. Die Mannschaft sei hier
lobend erwähnt: Horst-Dieter Hellmann und Hartmut Roese als Torhüter, Werner
Ostenkötter, Hubert Vesper, Wilfried Behrenberg, Wolfgang Feik, Dieter Schwabe,
Fritz Schievelbein, Wolfgang Hüttner. Im gleichen Spieljahr wurde auch die
B-Jugend Bezirksvizemeister, ein Beweis einer ausgezeichneten Jugendarbeit mit
gutem Material.
In den letzten
Jahren gab es dann noch eine weitere Steigerung. Innerhalb von vier Jahren
holten sich die Dellwiger in der C-Jugend dreimal den höchsten erreichbaren
Titel ihrer Klasse, den Nordwestfalenmeister. Auch diese drei Mannschaften seien
hier namentlich genannt:
Bezirksmeister
1968/69: Wilfried Schan, Heinz-Friedrich Plümer, Peter Ernst, Helmut
Laumanns, Jochen Oehl, Reinhard Kahlisch, Burkhard Kahlisch, Dieter Czeslik,
Jürgen Scholz
Bezirksmeister
1969/70: Harald Scheele, Harald Scheiing, Rolf Schulte, Hans-Georg
Walkuschewski, Jürgen Scholz, Hartmut Beckmann, Bernd Brauckmann, Armin
Marczenke, Reinhard Kahlisch, Burkhard Kahlisch
Bezirksmeister
1971/72: Hans-Georg Walkuschewski, Reinhard Kahlisch, Herbert Laumanns,
Heinz Selle, Michael Riek, Jürgen Mittelstädt, Klaus Scholz, Günter Becker,
Dieter Worstbrock, Volker Westermann, Karl-Heinz Laumanns, Hans-Günter Strumpf
Aus
den Abteilungen des TuS "Jahn" Dellwig im Jubiläumsjahr 1972
Den Anfang machten
an jedem Montag die Altersturner. In der Turnhalle Langschede trafen sich ab 20
Uhr die Männer, die vorwiegend Gymnastik und Prellball betrieben. Letzteres
Spiel erfreute sich bei ihnen seit Jahren einer großen Beliebtheit, so dass sie
hin und wieder auch schon an freundschaftlichen Wettkämpfen in Turnierform
teilnahmen. Auch eine durchaus erwähnenswerte Körperschule wurde jeden Montag
durchgeführt, um die Schlacken des Alltags zu vertreiben. Ähnliches ließ sich
von der Damenriege berichten, die parallel zu den Männern in der Sporthalle
Dellwig übten und die gleichen sportlichen Disziplinen pflegten. Diese Gruppen
griffen auch aktiv in die Gestaltung des Festprogramms ein, indem sie im Mai in
der Sporthalle Halingen ein großes und namhaft besetztes Prellball-Turnier
veranstalteten, um ihren Lieblingssport einmal der hiesigen Bevölkerung
vorzuführen. Nach den Trainingsstunden wurde dann dem kameradschaftlichen
Beisammensein genügend Beachtung geschenkt, und mancher guter Gedanke, manch
nützlicher Impuls für die Vereinsarbeit entsprang dieser frohen Runde. Diese
beiden Abteilungen haben bis zum 75-jährigen Jubiläum 1997 und darüber hinaus
dem Verein die Treue gehalten.
Die gute
Jugendarbeit setzte sich Jahre später (1975) in der A-Jugend fort. In der
Hallenbezirksklasse wurde der hohe Favorit SV Adler Münster, für die
Meisterschaft sozusagen vorprogrammiert, mit 17:12 bezwungen. Mit großer
Spannung wurde nun die Partie des Bezirksmeisters Nordwestfalen für das
Halbfinale der Westfalenmeisterschaft erwartet. Es handelte sich um den
Ostwestfalenmeister Union 73 Knetterheide-Schötmar, einen Verein aus Bad
Salzuflen, der sich immerhin gegen solch renommierte Vereine wie Grün-Weiß
Dankersen oder Eintracht Minden durchsetzen konnte. Das Hinspiel wurde in
Fröndenberg mit 17:16 gewonnen. Leider konnte der TuS "Jahn" Dellwig
den knappen Vorsprung aus dem Hinspiel nicht halten und verlor im Endspiel gegen
Union Knetterheide nach Verlängerung mit 21:18. Es spielten für Dellwig:
Walkuschewski, Kahlisch, Selle, Brauckmann, Marczenke, Laumanns 1 und 2,
Riek.
Unter Trainer
Karl-Heinz Flammang in der Bezirksliga spielte die Dellwiger Mannschaft 1976
gegen Dukla Prag. Bei diesem Spiel wurde Dellwig mit 31:18 bezwungen. In der
gleichen Saison 1976/77 feierte der TuS "Jahn" Dellwig zum ersten Mal
den Aufstieg in die Landesliga. Am Aufstieg in die Landesliga waren beteiligt:
Torhüter Breuer, Kötter, Plümer, Beckmann, R. und B. Kahlisch, Hellmann,
Mester, Weller, Brauckmann, Laumanns. 1977/78 kehrte Manfred Baumeister als
Trainer zurück.
In der weiteren
Vorbereitung spielte Dellwig in einem Freundschaftsspiel gegen den renommierten
Holländischen Erstligisten Hercules Hengelo ( 21:18 für Hengelo).
Mit dem Spiel in
der Saison 1978/79 schaffte Dellwig gegen den TV Ennigerloh (28:18 für Dellwig)
den 1. Tabellenplatz in der Landesliga und damit den Aufstieg in die
Verbandsliga mit den Spielern: Karl-R. Kötter, Heinz Plümer, Burkhard Kahlisch,
Volker Emmert, Norbert Weller, Heinz Selle, Herbert Mester, Trainer Manfred
Baumeister, Betreuer Georg Walkuschewski, Reinhard Kahlisch, Hartmut Beckmann,
Wolfgang Breuer, Bernd Brauckmann, Michael Riek.
TuS
"Jahn" Dellwig seit Gründung des Handballkreises dabei
(Zeitungsartikel
aus dem Hellweger Anzeiger von 1977)
Der Handballkreis
Unna-Kamen-Werne besteht in diesen Tagen seit 25 Jahren. Da der Fröndenberger
Verein TuS "Jahn" Dellwig seit der Gründung diesem Kreis angehört,
wird dem Jubiläum auch an der Ruhr großes Interesse entgegen gebracht.
Nach der
vorliegenden Statistik spielten 1952 insgesamt drei Feld-Handballmannschaften
des TuS "Jahn", wobei die erste Mannschaft der damaligen Landesliga,
die zweite Mannschaft der ersten Kreisklasse (heute Kreisliga) angehörte. Das
ergibt eine recht interessante Parallele zum Jubiläumsjahr 1977. Allerdings gab
es dann nur noch eine Jugendmannschaft, der heute sieben männliche und
weibliche Jugendmannschaften gegenüberstehen. Anlässlich des besonderen
Datums soll aber auch einmal von den Schiedsrichtern die Rede sein, die
meist im Brennpunkt der Kritik stehen, ohne die aber ein Spielbetrieb nicht
möglich wäre.
Auch der TuS
"Jahn" Dellwig stellte 25 Jahre Sportkameraden, die im "schwarzen
Kittel" zuweilen in Spielklassen leiteten, die von den Mannschaften bei
weitem nicht erreicht wurden. So leiteten 1953 die Dellwiger Sportfreunde Selle
und Weistenhöfer Oberligaspiele, wobei Heinz Selle bis 1956 dieser Klasse
angehörte, während Weistenhöfer bis 1955 Landesligaspiele schiedsrichterte.
Erst 1964 tauchte mit Manfred Baumeister wieder ein Dellwiger
Schiedsrichter in höheren Klassen auf. 1967 wurde er dann auch in der Oberliga
eingesetzt.
1977 tauchen
mehrere Dellwiger in den Schiedsrichterlisten auf. Ranghöchster ist Helmut
Jamelle, für Dellwig pfeifender Heerener Schiedsrichterlehrwart, der zu den
drei gegenwärtigen Oberligaschiedsrichtern gehört. In der Landesliga
eingesetzt werden in der laufenden Saison Horst Mengeler und Heinrich Wendel,
während Karl Renzing Bezirksligaspiele leitet.
In der
zusammengestellten Ehrentafel erscheinen zwei Dellwiger Namen. In der Gruppe 15
bis 19 Jahre leitende Schiedsrichter findet man Helmut Jamelle, Manfred
Baumeister brachte es auf über zehn Jahre. In einer Festschrift haben einige
Unparteiische diese statistische Zusammenstellung zu Papier gebracht, um für
ihren Job zu werben. Immerhin hat sich die Zahl der Mannschaften auf 153
in dieser Saison (1977/78) gesteigert.


(wird fortgesetzt)